Also, fangen wir an mit dem Wohnungsproblem: Es gibt keine Wohnung unter €600,- egal in welchem Bezirk oder sogar ausserhalb (wo dann noch die Fahrtkosten zum Job hinzukommen). Meine Wohnung (seit zehn Jahren) liegt zwar mitten in der Stadt, kostet aber €650,- für 35 m2. Das ist noch billig, denn mein Nachbar, der erst kürzlich eingezogen ist, bezahlt für die gleiche Wohnfläche €1.000,-. Miete bedeutet immer 'kalt', die Kosten für Heizung und Klimaanlage müssen also noch dazugerechnet werden. Mein Mietvertrag sagt, dass ich alles selbst bezahlen muss... mein Vermieter bezahlt absolut nichts. Meine Wohnung ist über 50 Jahre alt und ab und zu gibt es Überschwemmungen, weil die alten Rohre eben kaputtgehen. Wenn im Haus etwas repariert werden muss, wird der Betrag auf die Mieter verteilt. Ich habe keine Ahnung, ob das in Deutschland genauso ist. Als ich die Wohnung mietete, war sie vollkommen leer, kein Durchlauferhitzer, keine Küche, nicht einmal Wasserhähne, all das hatte der Vormieter mitgenommen. Ich wollte die Wohnung aber unbedingt haben, also musste ich erst einmal einen Kredit aufnehmen, um überhaupt in ihr das Nötigste zu haben. Ein Mietvertrag wird für höchstens 5 Jahre ausgestellt, dann bekommt man einen neuen Vertrag (Kosten rund €300 für amtliches Papier und Ausstellung des Vertrages), plus eine saftige Mieterhöhung... Wie sieht es mit den Gehältern aus? Eine Bürokraft bekommt das Mindestgehalt von netto €800,-. Ich spreche perfekt drei Sprachen und arbeite als juristische Übersetzerin, könnte aber allein mit meinem Gehalt kaum bis zum Monatsende kommen, ohne Schulden zu machen. Also habe ich noch einen Zweitjob zuhause, um über die Runden zu kommen. Übrigens bekommen die Männer hier für die gleiche Arbeit rund 25% mehr Gehalt... Die Arbeitszeiten sind hier auch ein wenig anders als in Deutschland. Wir arbeiten 40 Stunden die Woche, meine Arbeit beginnt um 8.30 und hört um 19.00 Uhr auf. Wir haben eine vorsintflutliche Mittagspause von 2,5 Stunden... verlorene Zeit. Unser Urlaub beläuft sich auf 23 Arbeitstage. Was die Lebenshaltungskosten betrifft, wie z.B. Nahrungsmittel, Kleidung, Telefon usw., so liegen wir wirklich auf dem gleichen preislichen Niveau wie der Rest Europas, da aber - wie gesagt - die Gehälter nicht auf demselben Niveau liegen, müssen wir meistens den Gürtel etwas enger schnallen. Ein wenig billiger als anderswo sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Man kann für EURO 1,15 ganz Barcelona durchkreuzen, auch die U-Bahn ist genauso billig. Überhaupt muss man der Stadt Barcelona ein Lob aussprechen: Seit der Olympiade 1992 braucht man in der Stadt kein Auto mehr, die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr bequem, schneller und viel billiger. Das staatliche Gesundheitssystem hat sich in den letzten Jahren ebenfalls erheblich verbessert, trotzdem sieht es hier anders aus, als in Deutschland. Wir bezahlen hier in Spanien genauso viel wie die Deutschen für die obligatorische Krankenversicherung, aber was wir dafür bekommen, sieht ein bisschen anders aus. Du darfst nicht zu einem Arzt deiner Wahl, sondern bekommst einen Arzt in dem Dir zugeordneten "ambulatorio" (eine Art riesiges Sprechzimmer) zugeteilt. Dieser Arzt hat zwar jeden Tag Sprechstunde, solltest Du allerdings einen Spezialisten benötigen, wirst Du den erst in zwei oder drei Monaten besuchen können, so lang ist die Warteliste. Wenn Du aber ins staatliche Krankenhaus musst, mach Dich darauf gefasst, dass Du selten eine Krankenschwester sehen wirst, sondern dass eins Deiner Familienmitglieder bei Dir im Zimmer schlafen muss, damit sich wenigstens jemand um Dich kümmert; auch die anderen Kranken, die mit Dir das Zimmer teilen, werden ihre Familienangehörigen dabei haben, also langweilig wird es Dir ganz bestimmt nicht werden. Vorgeschriebene Besuchszeiten gibt es nicht, also wird immer Trubel um Dich herum sein. Damit man diesen Zuständen nicht unbedingt ausgeliefert ist, hat jeder, der es sich irgendwie leisten kann, noch eine private Krankenversicherung, die kostet ca. EURO 60,- im Monat pro Person, man wird von (beinahe) privaten Ärzten untersucht und in den Kliniken geht es so zu, wie ungefähr in Deutschland, allerdings muss man trotz dieser privaten Versicherung die Medikamente selbst bezahlen, und sollte ein Krankenhausaufenthalt sich länger hinziehen, oder man chronisch krank sein, wird man nach ca. 2 Wochen doch an ein staatliches Hospital überwiesen. Trotz allem Negativen, das ich erwähnt habe,
gibt es gleichzeitig sehr viel Positives in dieser
wunderbaren Stadt, das uns "Eingewanderte"
immer wieder verzaubert: Das weitgefächerte Angebot
an Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, die
vielen Museen, Kunstgalerien, Kinos usw.usw. Dann
die Restaurants, von denen die meisten eine Strassenterrasse
haben. Unter einem Baldachin, geschützt von der
Sonne, geniesst man die herrliche reichhaltige spanische
Küche, trinkt dazu irgendeinen Wein (sogar der
"Vino de casa" - Hauswein - ist nicht zu
verachten), schaut den Passanten zu, redet mit den
Tischnachbarn.. und freut sich des Lebens. Deutsche
werden sich hier sowieso wie zuhause fühlen (besonders
nach Erfindung des Satellitenfernsehens), denn hier
findet man viele Zweigstellen der Geschäfte,
die es auch in Deutschland gibt, wenn man also möchte,
kann man weiterhin deutsches Essen geniessen. Es gibt
deutsche Buchhandlungen und jeder Kiosk verkauft auch
deutsche Zeitungen und Illustrierte.
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Barcelona
ist seit vielen, vielen Jahren mein Zuhause. Ich will
hier keine Stadtbeschreibung von mir geben, denn so
etwas kann heutzutage jeder auf Hunderten von Seiten
im Internet finden, mit viel schöneren Fotos,
als ich sie knipsen könnte. Daher finde ich,
dass hier vielleicht eine 'Insider'-Info viel interessanter
wäre. 